Mein Weg durch 30 Jahre Cluster-Kopfschmerz

Ein Leben mit Cluster-Kopfschmerz: Gertrud Rohde-Niebaum berichtet von der langen Suche nach einer Diagnose und dem Halt, den ihr die Selbsthilfegruppe gibt.

Gertrud Rohde-Niebaum, Gruppenälteste der Cluster Hilfe Brandenburg
Gertrud Rohde-Niebaum
Cluster Hilfe Brandenburg

„Mit diesem Schmerz nicht allein“ – Mein Weg mit Cluster-Kopfschmerz

Ich bin 77 Jahre alt, gelernte Krankenschwester und seit vielen Jahren Mitglied der Selbsthilfegruppe für Cluster-Kopfschmerz in Bernau. Unsere Treffen bedeuten mir sehr viel. Sie geben mir das Gefühl, verstanden zu werden – und vor allem:
Ich bin mit diesem Schmerz nicht allein.

Wie alles begann – ein nächtlicher Angriff, der mein Leben veränderte

Mit 48 Jahren wachte ich eines Nachts plötzlich auf.
Ein stechender, kaum auszuhaltender Schmerz schoss hinter mein linkes Auge. Es begann zu tränen, die linke Nasenseite lief. An Schlaf war nicht mehr zu denken – keine Schmerztablette half.

Ich musste trotzdem zum Frühdienst. So stand ich völlig übernächtigt auf Station, erledigte meine Arbeit und hoffte, dass es bald wieder vorbeigehen würde. Doch das tat es nicht.

Diese nächtlichen Attacken kamen über drei Monate hinweg immer wieder. Danach verschwanden sie – nur um später unerwartet erneut aufzutreten. Ich wusste nie, wann es wieder anfängt und wie lange es anhält.

Der lange Weg zur Diagnose

Viele Medikamente brachten keine Linderung. Über Jahre lebte ich mit diesen Episoden, ohne zu wissen, was ich eigentlich habe.

Erst durch einen Zufall erhielt ich nach vier Jahren endlich eine Diagnose:
Cluster-Kopfschmerz – damals auch noch als Bing-Horton-Syndrom bezeichnet.

Ein Neurologe, der zufällig auf unserer Station war, erkannte die typischen Symptome sofort. Er gab mir medizinischen Sauerstoff – und nach etwa 30 Minuten war ich schmerzfrei. Zum ersten Mal seit Jahren erlebte ich eine effektive Behandlung.

Leben mit Cluster-Kopfschmerz – zwischen Arbeit, Erschöpfung und Verpflichtungen

Viele Jahre quälte ich mich durch den Alltag und durch meinen Beruf, obwohl ich völlig übermüdet war.
„Wegen Kopfschmerzen fällt man nicht aus“ – dieser Satz hat mich geprägt und gleichzeitig belastet. Ich wollte meine Kolleginnen und Kollegen nicht im Stich lassen und schleppte mich oft zur Arbeit, obwohl ich kaum leistungsfähig war.

Auch im privaten Umfeld wurde es schwierig: Ich musste häufig Verabredungen absagen, weil plötzlich eine neue Episode begann. Mein enger Freundeskreis hat gelernt, damit umzugehen. Sie wissen: Wenn ich kurzfristig nicht kommen kann, ist es ernst.

So lebe ich seit fast 30 Jahren mit dieser Erkrankung.

Die Bedeutung der Selbsthilfe

In unserer Selbsthilfegruppe erlebe ich jedes Mal aufs Neue, wie wertvoll es ist, Menschen zu begegnen, die Ähnliches durchmachen.
Wir teilen nicht nur unsere Geschichten – wir verstehen das Leiden der anderen wirklich.

Viele von uns haben einen langen, mühevollen Weg hinter sich. Genau deshalb fühlen wir uns in der Gruppe so gut aufgehoben:
Wir hören zu, wir stützen uns gegenseitig, und wir geben einander Halt.

Bild von Gertrud Rohde-Niebaum

Gertrud Rohde-Niebaum

Gründungsmitglied sowie Gruppenälteste der Selbsthilfegruppe Cluster Hilfe Brandenburg in Bernau. Sie teilt ehrenamtlich ihre persönlichen Erfahrungen mit Cluster-Kopfschmerz, um Betroffene zu unterstützen.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Cluster-Kopfschmerz und dem früheren Begriff Bing-Horton-Syndrom?

Früher, insbesondere vor etwa 30 Jahren, wurde dieselbe Erkrankung häufig als „Bing-Horton-Syndrom“ bezeichnet. Heute spricht man offiziell nur noch von Cluster-Kopfschmerz, wie in der internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 festgelegt. Die charakteristischen Symptome – einseitige, sehr starke Kopfschmerzen, meist um Auge oder Schläfe, begleitet von tränendem Auge und laufender Nase – sind unverändert geblieben. Lediglich die Nomenklatur hat sich geändert. Die aktuell empfohlenen akuten und prophylaktischen Therapien orientieren sich an den heutigen Leitlinien.

Hinweis

Dieser Beitrag gibt persönliche Erfahrungen aus der Selbsthilfegruppe Cluster Hilfe Brandenburg wieder und zeigt den Umgang mit Cluster-Kopfschmerz aus Sicht Betroffener. Er ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich bitte stets an qualifiziertes ärztliches Fachpersonal.